GALERIE PARISA KIND

Kaiserstrasse 4 /2. Etage
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Jonas Weichsel "INDIGO EXTRA"

opening: September 8, 6-10 pm

 

 

 

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OLAF METZEL


INTERIEURS

Feb. 11 - March 31, 2017

 

In der Malerei meint das „Interieur“ die bildhafte Darstellung des Innenraums und auch der Bildhauer setzt sich in seinen Werken mit der Gestaltung von Räumen im weitesten Sinne auseinander. Die Arbeiten selbst lassen sich in der Situation des Ausstellungsraums – wie etwa die freistehende Skulptur Hocker – als Chiffre eines Interieurs lesen.

 

Alle Arbeiten bestehen aus beidseitig bedruckten Aluminiumplatten, die Metzel entgegen des Widerstands des Materials verformt und so die Illusion von Papier erzeugt. Dabei bedient er sich der visuellen Archive unserer Zeit. Zwischen „Neuem Bauen“ und modernem Design beschäftigt sich Metzel mit den sozialen, künstlerischen und technisch-konstruktiven Aspekten gesellschaftlicher und ästhetischer Phänomene, die unter diesem vielschichtigen Begriff gefasst werden können.

 

Das neue Frankfurt – eine 1926 von Ernst May initiierte Zeitschrift – dokumentierte und proklamierte progressive baukulturelle, künstlerische und sozialpolitische Ideen. Der Anspruch auf die Gestaltung einer zeitgemäßen Architektur und modernen Wohnkultur manifestierte sich in dem damaligen Frankfurter Siedlungsbau, dessen gestaltender Architekt May war. Zu den sozial engagierten Pionieren der gesellschaftlichen Moderne und architektonischen Avantgarde gehörte neben May auch Margarete Schütte-Lihotzky, die mit der Frankfurter Küche den Prototyp der modernen Einbauküche schuf. Die ideologische Überzeugung, durch die gleichförmige Gestaltung der alltäglichen Dinge zur Nivellierung der Klassengegensätze beizutragen, teilte auch Pierre Jeanneret. Im Schatten seines Cousins Le Corbusier versuchte er adäquate Lösungen zu entwickeln, die heute zum Inbegriff des modernen Designs zählen und nur noch für Eliten erschwinglich sind.

 

Rationalisierung, Typisierung und Standardisierung als Voraussetzung für soziale Veränderungen führten zu uniformierter Monotonie. Wo die architektonische Avantgarde – getragen von sozialutopischen Gedanken – früher mehr Lebensqualität forcierte, herrscht heute Plattenbautristesse. In sogenannten „Schließfächern“ ist nicht mehr viel von der visionären Ästhetik und dem Glauben an neue Lebensformen zu spüren. Fehlgeleitete Stadtbaupolitik und Spekulantentum fanden keine den Forderungen der Zeit entsprechenden Antworten, begünstigten Verdrängungs- und Aufwertungsprozesse und taten ihr Übriges: aus Utopien wurden Dystopien.

 

Die ursprüngliche in situ-Installation Sammelstelle schuf Metzel 1992 als Reaktion auf die Hetze gegen Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Angesichts der gesellschaftspolitischen Wirklichkeit artikuliert dieser Ausschnitt beklemmende Aktualität.

Das private Interieur erschafft – als Bedeutungsträger innerer Befindlichkeiten – eine eigene Wirklichkeit und avanciert zum Selbstportrait. In seiner philosophischen Schrift Minima Moralia reflektiert Adorno in Aphorismen die soziale Konstruktion des Individuums durch das gesellschaftliche System, in dem es lebt, und die konstituierenden Bedingungen der menschlichen Existenz in einer kommerzialisierten Welt. Diese kritische Kulturdiagnose in fragmentarischer Form findet ihre plastisch-räumliche Entsprechung in den Arbeiten des Künstlers.

 

 

Olaf Metzel (geb. 1952 in Berlin) lebt und arbeitet in München. Metzel studierte an der Freien Universität Berlin und der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 1990 ist er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste München tätig, 1995–1999 stand er dieser als Rektor vor. Neben zahlreichen Einzelausstellungen im In- und Ausland nahm er an der documenta 8 und an den Skulptur-Projekten in Münster 1987 und 1997 teil, sowie 1984 und 1990 an der Sydney-Biennale, 1991 und 1995 an der Istanbul-Biennale und 2002 an der São Paulo-Biennale. Metzel wurde darüber hinaus mit einer Vielzahl von Preisen und Auszeichnungen bedacht:  Unter anderem erhielt er 1987 den Villa Massimo Preis, Rom, 1994 den Arnold-Bode-Preis, Kassel, 1997 den Wilhelm-Loth-Preis, Darmstadt, 2005 den Kunstpreis der Landeshauptstadt München, 2010 den Lichtwark-Preis, Hamburg sowie 2014 den mfi-Preis für Kunst am Bau, Essen. Skulpturen im öffentlichen Raum befinden sich in Deutschland, im europäischen Ausland und in Asien. Metzel kuratierte zudem zahlreiche Ausstellungen und veröffentlichte Texte in Tageszeitungen und Zeitschriften. Er ist Autor und Herausgeber unter anderem von Basisarbeit, Rote Zelle und Circus Wols.